Sonntag, 14. September 2014

Park(ing) Day

Das Wort "Parkplatz" stammt von dem französischen Wort "parc" ab. Im 15. Jahrhundert kam es in den deutschen Sprachraum und bedeutet im niederrheinischen Ursprung "eingezäunte Grünfläche zur Hege von Bäumen und jagdbarem Wild". Im 17. Jahrhundert wandelte sich der Begriff um und stand für "umschlossene großflächige Grünanlage zum Schmuck der Schlösser mit Spazierwegen für die vornehme Gesellschaft". Ein Jahrhundert später kam dieser Begriff erneut aus Frankreich in den deutschsprachigen Raum als "parc d’artillerie", was bedeutet: eingehegter Platz für Munition, Geschütze und Wagen. Dies wurde ergänzt durch Artilleriepark, Wagenpark, Fuhrpark (1. Hälfte 19. Jh.), Auto- , Fahrzeug- ,Maschinenpark (20. Jh.). Im Englischen hat das Wort "to park" seine eigentliche Bedeutung: einhegen, einschließen, lagern, deponieren behalten.

"Year by year our cities grow more complex and less fit for living. The age of rebuilding is here. We must remold our old cities and build new communities better suited to our needs."

Lewis Mumford

Auf diese Namensherkunft baut der Park(ing) Day, auf deutsch "Park(platz) Tag" auf. 2005 ging diese Aktion das erste mal in San Francisco über die Bühne. Die Kunstform verbreitete sich um die ganze Welt und fand 2011 in 162 Städten statt.

erster Park(ing) Day in San Francisco 2005
parkingday.org

Der Park(ing) Day setzt sich mit der Nutzung des öffentlichen Raums auseinander. Einmal im Jahr, am dritten Freitag im September, werden von Bürgern, Designern und Künstlern PKW-Stellplätze zu autofreien Bereichen. Temporäre Parks, Picknickplätze, öffentliche Musikzimmer, Sportplätze, Spielplätze, Klassenzimmer, Cafés, Ausstellungen und Plätze der Ruhe entstehen. Diese Bereiche geben Raum für Kommunikation, Muße und Inspiration.

urbancincy.com

Parkplatzdiskussionen werden oft emotional geführt, da sich viele PKW-Halter in dieser Frage persönlich angegriffen fühlen. Diese Emotionalität rückt manchmal die Bedürftnisse der Allgemeinheit in den Hintergrund und eine Verbesserung der Situation wird auf Kosten von lebendigen Plätzen ausgetragen. Der Parkplatz wird als Wundermittel gegen sterbende Innenstädte und als Bereicherung dieser vorgestellt.

 http://www.parkingdaynyc.org/

Der Park(ing) Day fordert keine Umwandlung von Parkplätzen in Parks. Es geht darum, die einseitige Festlegung auf die Nutzung durch parken von Autos zu hinterfragen. Urbaner Raum enthält Nutzungsformen auf engem Raum, die sich widersprechen, als auch ergänzen. Öffentlicher Raum ist begrenzt und wird geteilt. Parkplätze sind das Gegenteil: hoch determiniert und spezialisiert lassen sie andere Nutzungen als lächerlich erscheinen. Ihr Design sorgt dafür, dass hier kaum andere Nutzungsarten in Erwägung gezogen werden. Hier gilt die normative Kraft des Faktischen: Ich habe ein Auto, der Raum sieht aus wie ein Parkplatz, also gilt das universelle Recht auf Parken. Dies hat sich historisch entwickelt, ist aber deshalb lange nicht die einzige Möglichkeit.


http://inhabitat.com

Menschen werden am Park(ing) Day dazu mobilisiert sich mit ihrer Stadt, sich selbst und den begrenzten Raum in Beziehung zu setzen. Für die kleinen Erholungsräume werden Parktickets gezogen und sie verschwinden nach deren ablaufen. Der Zeitraum kann von einer Stunde bis zu einem halben Tag gehen. Jeder ist selber für seinen Park verantwortlich und jeder der mitmachen will kann das.

Ingolstadt ist bereit für den Park(ing) Day am 19.September 2014?!





Entstehung der Ingolstädter Fußgängerzone








Sonntag, 7. September 2014

Vom Schweben über Asphalt

Die Straße ist ruhig, die Reifen rollen, es ist leise, man spürt den Wind. Kaum eine Kraftanstrengung wird benötigt. Der Häuserzug am Straßenrand kommt unbekannt vor, obwohl schon so oft aus der gleichen Perspektive gesehen. Mein Beifahrer sieht glücklich aus. Die Geschwindigkeit ist eine Andere als normal. Die Straßenzüge verändern sich, sie werden lebendiger. Ich sehe Menschen, Tiere und Pflanzen. Kleinigkeiten fallen auf. Wir fahren Fahrrad - auf der Straße.



Selbstexperiment – Critical Mass

Zugegeben, ich fahre jeden Tag mit dem Rad. Auf dem Weg in die Arbeit, zum Einkaufen, zum Besuch bei Freunden und um alle restlichen Strecken zurückzulegen. Im Sommer und im Winter. Noch nie habe ich an einer Critical Mass teilgenommen. Die Aktion war mir nicht unbekannt und als ich hörte das es diese auch in Ingolstadt geben sollte, war ich Feuer und Flamme.

Man hört immer öfter was eine Critical Mass ist, wie sie entsteht, für was sie steht und wie sie abläuft. Etwas für mich wesentlich interessanteres ist , was passiert mit mir, wenn ich in einer Gruppe von gleichgesinnten Radfreunden ausnahmsweise nicht den Autos unterlegen, friedlich durch die Straßen rolle. Verändere ich mich dadurch?

Eine Stunde hat die Ausfahrt in Ingolstadt beim ersten Mal gedauert. In dieser Stunde habe ich etwas erlebt, dass mir vorher so nicht bewusst war. Es fühlt sich an als hätten die Teilnehmer dies schon oft gemacht. Alles war routiniert. Ein einziges Mal fühlte ich mich unsicher, bei der Einfahrt in den mehrspurigen Audi Kreisverkehr am Westpark. Adrenalin. Doch die Masse gibt einem Schutz, man fühlt sich geborgen wie in einem Vogelschwarm.



Kann ein Menschenschwarm auf Fahrrädern etwas verändern?

Auf den großen Straßen im Stadtgebiet wird eigentlich immer zu schnell gefahren. 70 Km/h sind keine Seltenheit. Doch in diesem Moment, als wir auf der Straße fuhren war dies nicht so. Man nahm Rücksicht. 30-40 km/h auf der Fahrbahn neben uns war selbstverständlich. Es entstanden sogar Gespräche zwischen den Verkehrsteilnehmern. Die Scheuklappen die wir sonst auch selbst aufhaben waren weg. 

Aktive Kommunikation fand zwischen den Radfahrern statt. Jeder Einzelne musste aufpassen was um ihn herum geschieht und wohin die Masse navigierte. Alles verlief problemlos und entspannt. Handzeichen beim Bremsen und Abbiegen, Vorausschauend Fahren, die Geschwindigkeit der Situation anpassen und Schulterblick sind in der Critical Mass selbstverständlich.

Mit dem Luxus, ausnahmsweise über perfekten Asphalt zu schweben, neigte sich die Tour ihrem Ende zu. Die Spitze bog in Richtung Rathausplatz ab und nach einem kurzen Applaus verabschiedeten sich die Teilnehmer in alle Richtungen. Der erste Critical Mass Ingolstadts war vorbei. Friedlich, positiv und überraschend zahlreich.

Auf dem holprigen Radweg fuhr ich zurück zu meiner Wohnung. Handzeichen gab ich automatisch, ich fuhr vorausschauend und fühlte mich als gleichwertiger Verkehrsteilnehmer respektiert. Die Critical Mass hat mich selbst, als Radfahrer zum besseren beeinflusst.



Critical Mass Ingolstadt findet am letzten Freitag im Monat um 19 Uhr am Rathausplatz statt.
Sie ist eine unorganisierte Aktionsform die spontan auftritt und agiert. Sie ist keine Aktion der Freunde der Donau. Wir informieren über diese nur, da sie dem Stadtbild etwas Positives gibt, Menschen auch aus den Nachbarlandkreisen zusammenbringt und eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage ist. 
Die Critical Mass ist nicht gegen das Auto, sie ist eine Aktion für mehr Miteinander und Gleichberechtigung.

Zitat aus Wikipedia.org:
Critical Mass (dt. kritische Masse) ist eine international verwendete Form der direkten Aktion, bei der sich mehrere nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer (hauptsächlich Radfahrer) scheinbar zufällig und unorganisiert treffen, um mit gemeinsamen und unhierarchischen Fahrten durch Innenstädte, ihrer bloßen Menge und dem konzentrierten Auftreten von Fahrrädern auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam zu machen und „mit dem Druck der Straße mehr Rechte für Radfahrer und vor allem eine bessere Infrastruktur und mehr Platz einzufordern“. Darüber hinaus gehe es der Critical-Mass-Bewegung laut Die Zeit auch um „die Frage, ob öffentlicher Raum nicht dem Verkehr entzogen und ganz anders genutzt werden sollte“.







Sonntag, 24. August 2014

Donausommernachtstraum

Quelle: Donaukurier

Was war das eigentlich für ein Sommertraum zwischen den Brücken?

Der Versuch einer Traumdeutung

War dieses schöne Wochenende an den Ufern der Donau vielleicht doch ein SommerNACHTStraum zwischen den Brücken? Der gute alte Shakespeare hätte sich bestimmt gefreut über dieses unterhaltsame Stück mit viel Gefühl und Witz, aber auch Blut und Drama, vor malerischer Kulisse. Doch haltet ein, lasst uns zum Anfang dieser Geschichte blicken und Ordnung in die pucksche Verwirrung bringen.

Nach dem kleinen aber subversiven Donau-Splash 2012 inkl. unerlaubter Besetzung der damals noch gesperrten Donaubühne und der spektakulären Donau-Meile 2013 (im Rahmen des Bürgerfestes) war uns klar, dass die Donau in Ingolstadt ein ganzes Wochenende verdient hat. Die Mission, eine neue und unverwechselbare Veranstaltung zu schaffen, die die Donau zurück in die Herzen der Ingolstädter bringt, war das Ziel. Da waren sich schnell alle Veranstalter und Organisatoren einig. Kunst, Kultur sowie Aktion im und am Wasser sollte es sein oder nichtsein, hätte Hamlet wohl gefragt. Natürlich wissen wir alle, dass Sein besser ist als Haben und der Schein möglichst kleiner als das Sein einer Sache zu bleiben hat. Andererseits spielt es doch kaum eine Rolle wie etwas hätte sein sollen oder wie es vielleicht mal sein wird, wenn es einfach schön war.

Man könnte an dieser Stelle die unzähligen Beteiligten und Ihre wunderbaren Beiträge zum Sommertraum aufzählen. Da würde man sicher von der besonderen Atmosphäre an der Tagtraum-Bar sprechen, die beeindruckende Waterline von Oneinchdreams erwähnen, die Kreativkünstler und Kunsthandwerker mit ihren liebevoll gestalteten Ständen loben, sich bei den Happy-Jogis und Aktionskünstlern für alle Mitmachaktionen bedanken, über die Mulitkulti-Stimmung am Fest der Kulturen reden und natürlich die Entenrenner, Zillenfahrer und Donaustrandler nicht vergessen. Die Antwort auf die Frage was der Donau Sommertraum zwischen den Brücken wirklich war, ist aber noch immer nicht beantwortet.


These 1 :
 Der Sommertraum ist ein Prozess, der logische nächste Schritt auf der Suche der Ingolstädter nach ihrem Fluss.

These 2 : 
Der Sommertraum ist die Donau selbst und damit das was jeder von uns daraus gemacht hat, macht und noch machen wird.

These 3 : 
Der Sommertraum verändert die Wahrnehmung der Donau, positiv, gemeinschaftlich und nachhaltig.


Ein positives Miteinander an den Ufern unserer schönen Donau. Vielleicht sollte diese Beschreibung ausreichen. Doch ein paar Dinge, die den meisten Besuchern vorbehalten blieben, sollte man schon noch erfahren, über den ersten aller Sommerträume:

Als am Freitag morgen die Aufbauarbeiten für den Sommertraum an der Donau liefen, bot ein unbekannter Kajaker, der zufällig an den Donaustufen Halt machte, seine Hilfe beim Aufbau der Tagtraum-Bar an und blieb anschließend das gesamte Wochenende. Dabei handelte es sich übrigens um Gunnar Stender, der alleine mit seinen 2 Hunden, in einem Kajak die 2840 Donaukilometer von Donaueschingen bis ans schwarze Meer paddelte.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung

Um Strom für die DJ´s im Schaukelpark unter dem Fußgängersteg zu erhalten mussten kurzfristig ca. 250m Stromkabel organisiert werden. Am Ende stammten alle 7 eingesetzten Kabeltrommeln von unterschiedlichen Besitzern. Improvisationstalent und Hilfsbereitschaft waren 2 wichtige Attribute an diesem Wochenende. Leider waren die selbstgebauten Schaukeln nicht so robust wie die Feierlaune unter dem Donausteg.

Quelle: Freunde der Donau

Der Sand für das Surfcamp wurde von TBI gratis zur Verfügung gestellt (nochmals vielen Dank) und der Sandmann hat gleich noch für ein brennesselfreies Ufer gesorgt. Ohne die Unterstützung von Leuten wie Florian Straub (Garten&Ideen) wäre der Geist des Gemeinsam-etwas-schaffen bei dieser Veranstaltung nicht möglich gewesen.

Quelle: Freunde der Donau

Leider hat sich gezeigt, dass man in Ingolstadt aber noch sehr weit entfernt ist, die Donau ins städtische Leben einzubeziehen. Aus verschiedensten Gründen war es, trotz vorheriger Absprache, nicht möglich ein Boot für das geplante Wake-Boarding auf der Donau zu bekommen. Die Begründung, warum es keine Erlaubnis für ein Boot gab war, dass Fische durch die enormen Wellen getötet werden. Soviel zum shakespearesken aber unblutigen Drama an der Donau! So blieb das Surfcamp 2014 vorerst geschlossen. Eher eine klassische Komödie ist ja auch das Beispiel der Zillen-Diskussion und der Widerstand gegen die Interessen der Öffentlichkeit.

Quelle: Freunde der Donau

Der Donau-Salón der Freunde der Donau, mit der dazugehörigen Botschaft, einem Zitat von Fred Kent, sorgte für Inspiration bei vielen Besuchern der Location. Die Straßenmalkreiden für Kinder nutzten einige anschließend um Ihre Meinung an die Wände der Fußgängerunterführung zu schreiben. Die Idee zum Wohnzimmer am Fluss, als Symbol bzw. Einladung, es sich am Ufer gemütlich zu machen und sich mit Freunden bei einer Flasche Wein zu unterhalten, werden wir übrigens fortführen. Ort und Zeit wird noch bekanntgegeben.

Quelle: Freunde der Donau

Ammen spielten im Sommernachtstraum zwar keine Rolle, gehören aber zu Shakespeares interessantesten Charakteren. Die tapferen Geburtshelfer des Sommertraums hatten jedenfalls in den Monaten der Vorbereitung, so einige Herausforderungen zu meistern. Die konstruktive Stimmung die nur entsteht wenn man gemeinsam an ein Ziel glaubt, ging dabei nie verloren. So wurden Parallelveranstaltungen wie die Kunstmesse des BBK, das UNICEF Kinderfest und das Fest der Kulturen kurzerhand als Chance statt Konkurrenz gesehen und herzlich bei den Sommerträumern aufgenommen.

Quelle: Freunde der Donau

Im Gegensatz zu vereinzelten unglücklichen Autofahrern und denen, die meinten daraus ein Politikum machen zu müssen, bleiben wir von der Richtigkeit der Brückensperrung für den Sommertraum überzeugt. Zu dieser Veranstaltung kamen fast alle Besucher mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln und genossen beim Rundgang an der Donau den ungewohnten, weil sonst stets aus dem Auto erlebten Blick von der Adenauerbrücke, ohne sich auf einem engen Fußweg drängeln zu müssen. Das Veranstaltungs-/Gastronomiekonzept auf der Brücke ist sicherlich verbesserungsbedürftig aber die Vorstellung einen Sommertraum zwischen den Autos von übermotorisierten nächtlichen Jungrasern zu suchen, macht wenig Freude. Vielleicht finden sich ja auch ein paar engagierte Gastronomen aus der Altstadt, die beim nächsten Mal mehr Mut haben und sich trauen mitzumachen um die Brücke in eine Traumkulisse á la Verona im schönen Italien zu verwandeln. Aua, schon wieder falsch. Aber egal, hauptsache Shakespeare.

Quelle: Donaukurier / Ch. Kismann

Zusammen mit dem Organisatoren-Team haben die Freunde der Donau den ersten Sommertraum und dabei vor allem das alternative Nordufer gestaltet. Als Mitbegründer und Gastgeber zusammen mit dem Veranstalter (Hölzl Top-Events) wollen wir allen Beteiligten herzlich danken und freuen uns auf das nächste Mal.

Quelle: Freunde der Donau

Quelle: Donaukurier / Ch. Kismann

Quelle: Donaukurier / Ch. Kismann

Quelle: Donaukurier / Ch. Kismann

Sonntag, 17. August 2014

Desire Lines

Wege sind die Verbindungen zwischen Orten. Sie fördern unsere Mobilität, erleichtern uns Entscheidungen in Hinsicht auf die Gestaltung der Route und sie ordnen unsere Gesellschaft in Bahnen.


Straßen und Wege wurden von Menschen angelegt. Ihre Funktion liegt in der Verbindung von A nach B und unterliegt den örtlichen Gegebenheiten. Da das Planerische Auge beim Straßenbau entweder auf den PKW oder an die Optische Gestaltung der Platzes gelenkt ist, werden öfters Details Vergessen oder Vernachlässigt. Es entstehen Desire Lines, Entscheidungslinien oder zu deutsch Trampelpfade.

Die häufigste Form der Desire Line findet man an Quadratisch angebrachten Fußwegen.

Der Mensch bewegt sich wie Wasser. Er nimmt den kürzesten und für ihn den einfachsten Weg. Dieser muss sich auf den ersten Blick keinen logischen Kriterien unterwerfen, kann gefährlicher sein oder über unwegsames Gelände führen.

Neben den Trampelpfaden gibt es auch Entscheidungslinien, die auf den ersten Blick nicht als solche erkennbar sind. Menschen Benutzen Fußwege als Radwege, Benutzen Radwege als Fußwege, benutzen nicht den Zebrastreifen, nicht die Ampel sondern Kreuzen einige Meter davor die Straße.

Wenn man dieses Wissen auf die Schlosslände bezieht erkennt man Planerische Fehler, die es den Menschen erschweren sich den Fluss zu nähern. Trotz der baulichen Abtrennung zur Donau entstehen auch hier Entscheidungslinien.


Die Auffälligste davon ist die Untertunnelung der Straße, die auch, obwohl als reiner Fußweg beschildert, von Fahrrädern und Rollern benutzt wird.


Daneben gibt es noch die Öffnung der Mauer bei der Rampe zur Fußgängerbrücke. Hier treten die Fußgänger auf den Radweg und finden sich direkt vor der fünfspurigen Straße wieder. Laut Planer sollten die Menschen die Fußgängerampel einige Meter weiter benutzen, was die meisten nicht tun und den ehemaligen Autobahnzubringer so kreuzen.

Beobachtungen in diese Richtung helfen den Fußgängerfluss besser beurteilen zu können und werfen wiederum Fragen auf, zur Integration von Passanten und Radfahrern in die Stadtplanung.

Montag, 4. August 2014

Critical Mass Ride Ingolstadt

Es ist allgegenwärtig das im deutschen Straßenverkehr das Auto das dominierende Fahrzeug ist. Straßen sind so ausgelegt, dass man mit dem PKW der schnellste, der komfortabelste, der ist, der alle Vorteile auf seiner Seite hat. Passanten und Radfahrer, die auch ein Recht auf Anteilnahme im Öffentlichen Verkehr haben werden oft an den Rand gedrängt, bekommen kleinste Fußwege, die sie sich oft noch teilen dürfen. Doch das Ironische an der ganzen Sache: Autofahrer und Fahrradfahrer sind gleichermaßen Verkehrsteilnehmer.

Am letzten Freitag im Monat treffen sich auf der ganzen Welt Fahrradfahrer und fahren gemeinsam auf der Straße. Sie wollen damit ein friedliches Zeichen setzen und darauf aufmerksam machen, dass auch Fahrradfahrer Verkehrsteilnehmer sind. 



Hier ein Ausschnitt zur Rechtslage aus Wikipedia:
„Mehr als 15 Radfahrer dürfen nach § 27 StVO einen geschlossenen Verband bilden, der allerdings als solcher für andere Verkehrsteilnehmer deutlich erkennbar sein muss. Für diesen Verband gelten sinngemäß die Verkehrsregeln eines einzelnen Fahrzeuges und er hat z. B – als wäre er etwa ein Sattelzug – in einem Zug über eine Kreuzung mit Ampel zu fahren, selbst wenn diese zwischenzeitlich auf Rot umschaltet. Dies wurde durch ein Urteil des Landgerichts Verden 1989 bestätigt. Aus dem gleichen Grund darf er z. B. erst dann links abbiegen, wenn die Lücke im Gegenverkehr für die Passage des ganzen Verbandes ausreicht. Für Radfahrer eines Verbandes gilt zudem nicht die Radwegbenutzungspflicht nach § 2 Abs. 4 StVO und sie dürfen auf der Fahrbahn zu zweit nebeneinander fahren.“

Ob Ingolstadt dafür bereit ist? ;)
wir werden es sehen! 


Der erste Ingolstädter Critical Mass startet 
am 29.08.2014 
um 19 uhr
auf dem Rathausplatz

Lasst uns Spaß haben und einfach nur friedlich Fahrrad fahren. Uns Verkleiden, unsere Fahrräder schmücken, mit Freunden lachen und die Luft genießen. Klingt das nicht toll?


Jeden letzten Freitag im Monat 
um 19 Uhr am Rathausplatz Ingolstadt

Hier ein Video des größten deutschen Critical Mass in Hamburg




Wir sind über diese Artikel auf diese tolle Aktion aufmerksam geworden und können diese nur weiterempfehlen:
http://blog.zeit.de/fahrrad/2013/04/26/critical-mass-zwischen-party-und-protest/

Was man zu den Verhaltensregeln wissen sollte und wie alles genau abläuft ist hier sehr schön erklärt:



Critical Mass Ingolstadt ist eine unorganisierte Aktionsform die spontan auftritt und agiert. Sie ist keine Aktion der Freunde der Donau. 

Sonntag, 27. Juli 2014

Urbane Akupunktur

Bei Akupunktur denkt man in erster Linie an traditionelle Chinesische Medizin und das Setzen von kleinen Nadeln entlang ausgewählter Punkte auf den Körpermeridianen um die Lebensgeister zu stimulieren. Bringt man dies in Verbindung mit Urbanität, d.h. mit der Art des Zusammenlebens in Städten sowie der formgebenden Gestaltung unserer Lebensräume, so entstehen unglaublich viele neue Aspekte über das Leben selbst und die Komplexität unserer urbanen Umwelt. 

Auf der Hand liegt diese Begriffskombination nicht wirklich, obwohl es doch in Städten und gerade beim Thema „lebendige Stadt“ immer um das Stimulieren des Stadtlebens, die Erweckung von „ausgestorbenen“ Plätzen und um asphaltierte aber meist verstopfte Stadtmeridiane geht. Warum also nicht nach einer althergebrachten Medizin für ein kränkelndes Lebensumfeld suchen, dass vernachlässigt und ungeliebt auch mit den stärksten Placebos nicht auf die Beine kommt.   

„Stadt wäre ohne Menschen lediglich eine
Ansammlung überflüssiger Architektur!“

Um dies herauszufinden mussten wir erstmal 9.300km zurücklegen. Nicht im Rahmen einer Asienreise auf der Suche nach dem Sinn des Lebens oder einer Weltreise durch die angesagtesten Metropolen, sondern in Bogotá / Kolumbien, der am schnellsten wachsenden Metropole Südamerikas, stießen wir auf die besagte Stadtmedizin, die urbane Akupunktur.

Ende April 2014 fand zum ersten Mal das Internationale Forum für Urbane Aktionen mit 30 Vorträgen aus 11 Ländern an der Fakultät für Architektur und Design der Universidad de los Andes in Bogotá statt. Mit dem Projekt Freunde der Donau aus Ingolstadt steuerten wir dabei den vielleicht exotischsten Teil bei. Denn im Gegensatz zu den Ausführungen der meisten Konferenzteilnehmer, immerhin renommierte Architekten, Professoren und Städteplanern, demonstrierten wir 4 anwesenden Donaufreunde persönliches Engagement und Herzblut für unsere Sache. Mit einer sehr emotionalen und inspirierenden Präsentation gelang es Theresia Fladl, die Bürger in den Mittelpunkt aller urbanen Planungen zu stellen. Schließlich geht es doch um die Bürger und deren Vision von Lebensqualität. „Stadt wäre ohne Menschen lediglich eine Ansammlung überflüssiger Architektur!“ bekräftigte Camilo Salazar, Professor für Architektur und Veranstalter des Forums. 

Positive Veränderungen und gleiche Probleme

Bei urbanen Aktionen geht es darum öffentlichen städtischen Raum positiv zu verändern oder auf eine mögliche Verbesserung hinzuweisen. Jeder kennt diese komischen Ecken und verlorenen Orte in seiner Stadt. Oft könnten aus diesen, mit kleinen Maßnahmen, wertvolle Teile der Stadt werden. Voraussetzung hierfür ist die Bereitschaft zur Veränderung und der Wille den vorhandenen Lebensraum mit Anderen zu teilen. Nicht jeder Vorschlag von Bürgern wird sich als sinnvoll erweisen aber durch improvisierte urbane Aktionen und Eigeninitiative besteht die Möglichkeit vieles auszuprobieren. Gute Lösungen werden sich immer durchsetzen und aktive motivierte Bürger bilden die Basis dafür. Die Vernetzung mit den verschiedensten internationalen Gruppen im Rahmen des Forums in Kolumbien hat gezeigt, dass alle Initiativen mit den gleichen Herausforderungen zu kämpfen haben. 

Zunahme von häuslicher Gewalt bei fehlendem öffentlichen Raum

In den meisten Fällen fehlen drei Dinge: finanzielle Mittel, Bereitschaft der Bürger aktiv zu werden und eine kooperative Verwaltung. Wobei sich die Finanzierung von kleinen und mittleren Projekten durch z.B. Fundraising oder Eigenleistung und Unterstützung von engagierten Mitbürgern regeln lässt. Auch die Motivation der zuständigen Verwaltung stößt erfahrungsgemäß bei konstruktiver und klarer Diskussion nicht grundsätzlich auf Gegenwehr. Am schwierigsten ist es tatsächlich die Bürger aus der bequemen Haltung zu befreien und für die Verbesserung unseres gemeinsamen Lebensraumes zu begeistern. Die geringe Teilnahme am öffentlichen Leben, fehlender Glaube etwas verbessern zu können und allgemeine Passivität führen dazu, dass Potentiale ungenutzt bleiben. In Deutschland kennt man leider die Ausdrücke: „besser als gar nichts“ oder „das müsste mal jemand machen“ viel zu gut. Unser Wohlstand hindert uns daran, die Realitäten und Bedürfnisse einer attraktiven Stadt zu sehen, solange der eigene Garten als schöner empfunden wird. Hier muss man sich schließlich nicht mit anderen Menschen auseinandersetzen. In anderen Teilen der Welt hat man diese Freiheit gar nicht. Studien in den Armenvierteln Bogotás ergaben, dass häusliche Gewalt und Krankheiten zunehmen wenn kein öffentlicher Raum zur Erholung und Kommunikation zur Verfügung steht. 

Wir wollen jedenfalls nicht in einem Umfeld leben, das von falschen Leitbildern geprägt wird und wo urbane Lebensqualität durch wirtschaftliche, verkehrstechnische oder politische Interessen eingeschränkt wird. An Kreativität und guten Ideen mangelt es glücklicherweise nirgendwo, was mit der Motivation Einzelner zusammenhängt. Natürlich ist jede Stadt und jede Kultur anders und nicht alle Ideen funktionieren überall.  Es gibt jedoch auch urbane Aktionen die weltweit funktionieren und sich wie ein Lauffeuer verbreiten. 

Urbane Aktionen sind wie ein Lauffeuer

Einmal im Jahr findet der internationale Parking-Day statt und dabei handelt es sich nicht um eine Huldigung des besetzten Lebensraumes durch abgestellte Autos, sondern um die Rückeroberung der Parkplätze. Hierzu lösen Aktivisten Parktickets und belegen den dazugehörigen Parkplatz symbolisch mit Kunstrasen, Liegestühlen und Lebenslust. 
Auch wenn die Anforderungen und Probleme in jeder Stadt unterschiedlich sind dienen diese Aktionen doch der Motivation und bestätigen das Prinzip, dass auch kleine Nadelstiche große Wirkung für ihr Umfeld und in größerer Anzahl auch Einfluss auf die Lebensqualität einer Stadt haben. Beispiele aus Deutschland mit aktiven und kreativen Szenen, wie Freiburg oder Münster beweisen das ebenfalls.

Freunde der Donau in Kolumbien?
 
Jemand wird zwangsläufig die Frage nach dem Warum und dem Nutzen dieser Reise und einer Konferenz über urbane Aktionen stellen. Klar, man muss nicht nach Südamerika fliegen um über Bürgerbeteiligung oder gemeinnütziges Engagement zu sprechen. Schließlich gibt es auch in Bayern hervorragende urbane Initiativen wie die Urbanauten und Green City in München oder Transition Town in Regensburg. Aber was gibt es motivierenderes als Gleichgesinnte aus den verschiedensten Ecken der Welt zu treffen, die bereit sind ihre Visionen zu teilen und gemeinsam in die Tat umzusetzen. Nur wer den Mut hat aktiv zu leben wird feststellen wie viel er bewegen kann. Wieso also nicht mit einer urbanen Aktion eine Nadel zum Gelingen des städtischen Zusammenlebens setzen? Es tut gar nicht weh! 

„Für Architekten und Städteplaner sind Kreativität und Vorstellungskraft wichtiger als die technische Ausbildung“

Wir Glauben, wie viele junge Leute unserer Generation, an eine neue Demokratie in der es nicht mit dem Gang zur Wahlurne oder mit jammern getan ist. Bewusst weigern wir uns politisch zu agieren sondern lassen uns von Grundsätzen wie „Aktion statt Diskussion“ oder „begeistern statt beschweren“ leiten. Die Belebung der Donau in Ingolstadt ist uns ein wichtiges Anliegen und hat uns dazu bewegt, Einfluss auf die Entwicklung des Flusses zu nehmen und mit verschiedensten improvisierten Aktionen, auf die Potentiale für einen innerstädtischen Naherholungsraum hinzuweisen. Schließlich konnten wir aus den urbanen Aktionen eine Unterstützer-Plattform machen, die Freunde der Donau. Denn gerade gute Freunde brauchen öffentlicher Raum und Natur derzeit sehr dringend. Der aktive Einsatz für ein besseres Lebensumfeld hat uns gezeigt, dass wertvolle Beiträge zum Gelingen einer lebendigen Stadt keine fachlichen Kenntnisse erfordern. „Für Architekten und Städteplaner sind Kreativität und Vorstellungskraft wichtiger als die technische Ausbildung“ sagt Dr. Carlos Garcia Vazquez, Professor für nachhaltige Architektur und Stadtplanung an der Universität Sevilla und Gründer des Laboratorio Q in Bogotá zum Abschluss seines Vortrags.


Beispiele für urbane Aktionen   

Collectif Le Banc (Quebec, Kanada)
Eine Gruppe in Quebec baut aus Holzpaletten Sitzbänke und Tisch um verlorene Ecken der Stadt zu möblieren und zu netten Treffpunkten zu entwickeln.



Pausa Urbana (San José, Costa Rica)
Zusammen mit Nachbarn werden z.B. unbebaute leerstehende Grundstücke in öffentliche temporäre Parks verwandelt.




Tactical Urbanism (New York, USA)
Die Bewegung aus New York ist bekannt für Parking-Day Aktionen sowie in Eigeninitiative aufgemalte Zebrastreifen und Fahrradspuren um die Verkehrsmassen in Manhattan zu Entschleunigung.




Laboratorio Q (Sevilla, Spanien) 
Die spanische Plattform stellt besonders kreative urbane Aktionen vor. 



Pintarte Urbano (Rosario, Argentinien)
Um eine stärkere Identifikation der Bürger mit der eigenen Stadt und den verschiedenen Vierteln aufzubauen haben Schüler zusammen mit Graffiti-Künstlern die Stadtgeschichte und Besonderheiten dauerhaft dargestellt.






in diesem Sinne 





Dienstag, 22. Juli 2014

Stadt Park Donau Loop Ausstellung im MKK

Ein Veranstaltungshinweis der uns am Herzen liegt und wir ihn darum mit Euch teilen.




STADT PARK DONAU LOOP

im Museum für Konkrete Kunst Ingolstadt vom 26.7. - 7.9 
Eröffnung am Freitag 25.7. 19:00 Uhr

Eine Ausstellung des Referats für Stadtentwicklung und Baurecht gestaltet von OFICINAA architektur + städtebau

Der Donau-Rundweg ermöglicht der Stadt Ingolstadt ihren Fluss, die Donau wieder stärker in das Stadtleben einzubinden und dabei die Ökologie für und den Erholungswert für die Bürger zu stärken. Etwa 12 Kilometer lang durchquert der Donau-Rundweg die verschiedenartigen Flusslandschaften. Mit seinen verschiedenen Ausgestaltungen verbindet er alte und neue Orte, welche die Bürger zum Verweilen, Erholen, Spielen oder Genießen der Natur einladen. Der längste Fluss der europäischen Gemeinschaft ist Teil der Geschichte Ingolstadts und soll in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil eines naturnahen, gesunden Lifestyles sein: Der Fluss von Ingolstadt für die Bürger von Ingolstadt.

Die Ausstellung zeigt die übergreifenden Ziele des Projekts anhand der unterschiedlichen Möglichkeiten und Gestaltungsvorschläge, welche für den Donau-Raum und seine städtische Umgebung angedacht wurden. Die Ausstellung bietet einen Erlebnisraum in dem man die einzigartigen Naturwelten und die vorgeschlagenen neuen Orte multimedial erfahren kann - Orte in die der Besucher eintauchen kann und welche die Einzigartigkeit des Lebensraums Donau in Ingolstadt bewusst machen.

Einführung von Stadtbaurätin Fr. Presslein-Lehle
Präsentation von Silvia Benedito und Alexander Häusler (OFICINAA)
MKK Museum für Konkrete Kunst, Tränktorstr. 6-8, Ingolstadt, Montags geschlossen