Samstag, 9. Mai 2015

Ufer(t)räume I

TEIL 1 – RHONE / LYON (F)

Nach einem bekannten Sprichwort sollen ja auch andere Flüsse schöne Ufer haben. Oder lautet der Satz anders, ach egal! Wir haben uns jedenfalls mal umgesehen und stellen Euch hier nach und nach Städte und Flüsse vor. Den Auftakt bildet das neu gestaltete Ufer der Rhone in Lyon. Die Landschaftsarchitekten von IN SITU haben 2007 ein 10-Hektar großes, 5 km langes Ufer-Areal im Herzen der zweitgrößten Stadt Frankreichs komplett auf den Kopf gestellt.

Rhone-Promenade, Quelle: archiguide

Der historische Stadtkern von Lyon liegt direkt am Zusammenfluss der Rhone und der Saône. Inzwischen erstreckt sich die Metropolregion Lyon mit 2,2 Mio. Einwohnern jedoch weit über die umliegenden Hügel und Täler. So entsteht, unterstützt durch unzählige Brücken und ein enges Netz an Stadtautobahnen und Durchgangsstraßen ein zerklüfteter Eindruck. Die Orientierung in Lyon fällt sehr schwer. Viel Verkehr, Hektik und das Ambiente einer zu schnell gewachsenen Stadt prägen den ersten Eindruck.

Das ändert sich komplett wenn man in der Altstadt ankommt. An jeder Ecke duftet es aus den kleinen Bistros, Brasserien und Chocolaterien. Schließlich gilt Lyon als kulinarisches Mekka Frankreichs. Am deutlichsten wird dies auf den zahlreichen Märkten, zum Beispiel am Rhone-Ufer, wo sich einer der schönsten Märkte der Stadt mit frischen lokalen Produkten und Spezialitäten aus den verschiedenen französischen Regionen befindet.


Marktstände am Rhone-Ufer, Quelle: Freunde der Donau

Entlang einer beeindruckenden Allee alter Platanen verläuft diese Oase der Düfte und Geschmäcker. Das einstmals vernachlässigte Flußufer hat sich inzwischen in einen Stadtpark und den beliebtesten Treffpunkt der Stadt verwandelt. Durch die Vielfalt an unterschiedlichen Bereichen wurde eine hohe Aufenthaltsqualität für alle Bürger geschaffen. 


Promenade mit Wasserbecken, Quelle: Internet


                                   Sonnenterrassen und Skatepark, Quelle: Internet

Park mit Liegewiesen und Ufer-Gastronomie, Quelle: Internet


Skatepark, Quelle: Internet

Ein Schlüssel zum Erfolg der neugestalteten Berges du Rhône war die Verkehrs-beruhigung und die konsequente Auslegung als urbanes Naherholungsgebiet und Raum für Begegnungen. Der motorisierte Verkehr wurde komplett verdrängt und Parkplätze in Parkhäuser bzw. an den Stadtrand verlegt. Alle umgesetzten Maßnahmen sind auf einen intensiven und offenen Austausch mit den Bürgern zurückzuführen, die vom 1. Tag an eng in die Umgestaltung eingebunden waren.


Rhone-Ufer vorher/nachher, Quelle: landarchs.com

Durch die Aufwertung des Rhone-Ufers wurde Lyon Teil der landesweiten Fahrradroute zwischen Genfer See und Cote d Azur, was zur kulturellen und touristischen Bedeutung, als auch zu wirtschaftlichem Aufschwung der Stadt geführt hat.
Der Besuch in Frankreich hat uns viele Parallelen zu Ingolstadt gezeigt. Es bleibt zu hoffen, daß man auf der Schanz ebenso innovativ und konsequent an einer besseren Verbindung zwischen Stadt und Fluß interessiert ist.

Teil 2 unserer Reihe wird uns nach Innsbruck in Tirol führen. Fortsetzung folgt!

Mittwoch, 8. April 2015

Der Weg zur fünften Donauquerung

Quelle: blogs.crikey.com.au

Von der Ingolstädter Kommunalpolitik wird eine vierte Donauquerung vermehrt zur Diskussion gebracht. Die aktuellen Vorschläge sind eine Seilbahn, welche schon 2013 von der Stadt abgelehnt wurde, eine Brücke über den Baggersee und ein Tunnel von Gerolfing nach Weichering. Zukünftig könnte nach Meinung der FW (Freien Wähler Ingolstadt) der Verkehr unterhalb der einzigartigen Auenlandschaft laufen. Die Verkehrsprobleme sollen damit verschwinden.

Quelle: panoramio.com

In Fachliteratur und in diversen Studien wird jedoch belegt, dass gerade durch den Bau von zusätzlichen Straßen keine Verbesserung von verstopften Straßen herbeigeführt wird. Es entsteht genau das Gegenteil. Die Anzahl der Verkehrsteilnehmer wächst! 

Der Mensch bewegt sich wie Wasser. Er nimmt den kürzesten Weg und das Verkehrsmittel welches ihn am schnellsten von A nach B bringt. Kommt man am effektivsten zum Bestimmungsort mit dem Auto und hat dort noch genügend PKW-Stellplätze, wird das Auto das Transportmittel erster Wahl sein. Stauen sich im Stadtgebiet die Fahrzeuge, erlangen andere Verkehrsmittel eine größere Relevanz. Man kommt dann schneller und entspannter zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) ans Ziel. 

Quelle: strassenbau.niedersachsen.de

Wenn ein Tunnel oder eine vierte Donauquerung kommt,welche die Leute leichter mit dem PKW über die Donau gelangen lässt, wird der Verkehr ansteigen. Autofahrer weichen auf die neue Strecke aus. Im gleichen Moment werden die alten Straßen wieder gefüllt von Autos, die sonst nicht benutzt wurden, da sie im Stau gestanden wären. Das Verkehrsaufkommen steigt und der Verkehr stockt erneut. Die nächste Forderung wird eine fünfte Donauquerung sein. Ein Teufelskreis!

Eine zukunftsorientierte Stadt sollte Ihren Fokus darauf legen, eine Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer zu erreichen. Wenn für den motorisierten Individualverkehr ein Tunnel für über 200 Millionen Euro gebaut wird, der eine Steigerung des Autoverkehrs bedeutet, kann nicht von Gleichberechtigung gesprochen werden.

Quelle: sustainablejill.com

Ingolstadt ist vielen Städten mit der Förderung der Fußgänger, des Fahrrads und des ÖPNVs weit hinterher. Warum wird hier nicht mehr getan für die Entlastung der Straßen?Es ist bewiesen, wenn weniger Autos auf den Straßen fahren, wird eine höhere Lebensqualität erreicht.Des Weiteren wollen die Bürger weniger Verkehr in den Innenstädten, auch wenn dieseErkenntnis bei den meisten Provinzpolitikern und Stammtisch-Verkehrsplanern noch nicht angekommen ist.Wer sich mit Stadtentwicklung beschäftigt kann dutzende Beispiele finden. Stattdessen wird mit aller Gewalt versucht, Konzepte durchzuboxen, die negative Auswirkungen für Mensch und Natur haben!

Quelle: http://humanscalecities.tumblr.com/

Der Busverkehr wird von der Politik stiefmütterlich behandelt. Hier muss gefördert werden! Erst wenn dieses Verkehrssystem an seine Kapazitätsgrenzen kommt, kann über eine Erweiterungen gesprochen werden. Auch dann erst über eine Seilbahn. Zuerst sollten Busspuren an relevanten Strecken eingerichtet werden,die Taktung und Strecken so verändert werden, dass der Busverkehr extrem Attraktiv gemacht wird. Im gleichen Schritt müssen Straßen reduziert werden. Ansonsten würden neue PKWs den Platz der alten einnehmen. Und zu guter Letzt, wie lange kann man den ÖPNV in Ingolstadt umsonst laufen lassen für über 200 Millionen? Diese Investition würde allen Bürgern, egal welchen Alters, welchen Berufs, welcher Einkommensklasse etwas bringen.

Die Stadt muss aufwachen und umdenken! Weil Menschen in lebenswerten Städten leben wollen! Weil es dazu beiträgt, dass Leute in die Stadt ziehen und auch hier bleiben!

Quelle: waz-online.de


Quellen:

Die Freien Wähler haben ein Gutachten zum Tunnel anfertigen lassen - Kein Verkehrsgutachten!

Building Bigger Roads Actually Makes Traffic Worse

Rund 82 Prozent wollen weniger Autos in der Stadt

Alternativen Lastentransport fördern

Stadt Ingolstadt Stellungnahme Seilbahn 2013 

S. 102. Zurück zur Mobilität! Anstöße zum Umdenken. Hermann Knoflacher
ISBN: 978-3800075577, Wirtschaftsverlag Ueberreuter



Samstag, 31. Januar 2015

Ghostbike #1 Ingolstadt





Am Donnerstag den 29.01.2015 ist eine junge Radfahrerin aus Zirndorf im Alter von 29 Jahren an der Kreuzung am Nordbahnhof / Nördliche Ringstraße ums Leben gekommen. Sie wurde von einem LKW beim rechts abbiegen übersehen. Sie starb noch an der Unfallstelle.

Einen Tag nach diesem Unfall fuhr die Critical Mass Ingolstadt zu dieser Stelle und schloss um circa 19:15 das erste Ghostbike von Ingolstadt dort ab. Menschen legten Blumen nieder und Zündeten Kerzen an. In gedenken an das Opfer. Mit der Hoffnung das dieses Rad alle Verkehrsteilnehmer warnt und so etwas nie wieder passiert.








Das erste Ghostbike wurde 2003 in den USA errichtet und es gibt sie seither in über 30 Städten weltweit. Ghostbikes sind komplett weiß angemalte Fahrräder, die an Orten aufgestellt werden, wo ein Radfahrer durch einen LKW/PKW getötet wurde. Als Gedenken, Warnung, Mahnmal und Bitte um Respekt vor dem Leben von Radfahrern.








Unsere Gedanken sind bei den Hinterbliebenen.

http://ingolstadt-today.de/lesen--29-jaehrige-stirbt-auf-der-noerdlichen-ringstrasse[14256].html



Ghostbike #2 Ingolstadt
http://freundederdonau.blogspot.de/2015/11/ghostbike-2-ingolstadt.html

Dienstag, 6. Januar 2015

Shared Space

Harderstraße 1840 Quelle: Ingolstadt.de 

Der Platz der Begegnung war die Straße. Man traf seinen Nachbarn, Kinder spielten und es wurden Unterhaltungen geführt. Die Verkehrswege wurden zwischen allen Verkehrsteilnehmern geteilt. Nach dem zweiten Weltkrieg hat man im Straßenbau die Wirtschaftsfaktoren und somit die "starken" Verkehrsteilnehmer, das Auto und den LKW priorisiert. Die Fußgänger wurden mit den Fahrradfahrern auf den Bürgersteig gedrängt, es wurden Unterführungen und Brücken zum queren von Straßen gebaut. Dieses Prinzip hat man bereits in den 1970ern hinterfragt und man baute in den 1980ern erste Straßen die die "schwachen" Verkehrsteilnehmer wieder integrieren. Shared Space war geboren.


Shared Space ist ein Konzept, welches die Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer hervorhebt. Es stützt sich auf die Grundregeln unserer Straßenverkehrsordnung.



§ 1 StVo

(1) 
Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.

(2) 
Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.


Deshalb wird In diesen „Gemeinschaftsstraßen“ auf Straßenschilder und Straßenmarkierungen bewusst verzichtet. Die Vorfahrtsreglung mit rechts vor links bleibt weiterhin bestehen. Es gibt in diesen Bereichen keine klar abgetrennten Bürgersteige und die Geschwindigkeitsbegrenzung liegt meistens bei 10-20 Km/h. Der Lärm wird reduziert, der Raum wird aufgelockert und damit sind diese Straßen keine unüberwindbaren Schneisen mehr. Eine dieser Trennlinien im urbanen Raum kennen wir in Ingolstadt sehr gut. Es ist die 5-spurige Schloßlände zwischen der Altstadt und dem Donauufer. Durch die fehlende Verbindung ging in Ingolstadt etwas verloren, das seit Jahrhunderten da war. Das Flair einer Stadt am Fluss.

Kupferstich, Ingolstadt um 1650 mit beeindruckender Stadtsilhouette an der Donau.

Vor dem Bau der Glacis-Brücke immerhin eine Hauptverkehrsader, ist die Schloßlände zwischen Adenauerbrücke und Roßmühlstraße heute laut offiziellem Verkehrsgutachten deutlich überdimensioniert. Damit entsteht die historische Chance den toten Straßenraum in einen lebendigen Teil der Stadt zu verwandeln. Durch eine Reduzierung auf 2 Fahrspuren und eine deutliche Entschleunigung kann sich das Donauufer nach Norden ausdehnen und so Platz für u.a. Cafés, Terrassen, Spielplätze oder Funktionsflächen (z.B. für Märkte, Ausstellungen) gewinnen. 




Bei der Umgestaltung der Schlosslände ist auch ein Shared Space-Konzept denkbar um den Menschen näher und einfacher an die Donau zu führen. Die Schlosslände müsste dafür umgestaltet und besser in ihr Umfeld integriert werden. Eine Untertunnelung wäre aus Sicht der Sachverständigen hier übrigens weder umsetzbar noch sinnvoll. Es ist für manchen Bürger sehr schwer vorstellbar auf diese Straße in ihrer jetzigen Form zu verzichten. Dabei liegt alles nur im Blickwinkel des Betrachters. Durch Shared Space wird Mobilität nicht verhindert, sondern in einen anderen Fokus gerückt. Im Bereich der Schloßlände sollte es uns wichtiger sein diesen besonderen Ort zwischen dem historischen Schloss und der Lebensader Donau bewusst wahrzunehmen, anstatt nur möglichst zügig von A nach B zu rollen. Shared Space gibt uns die Möglichkeit die Schätze unserer Stadt zu betonen und den Autofahrer auf einen lebendigen urbanen Bereich aufmerksam zu machen. Ist der Tunnelblick erst mal aufgehoben, klappt´s auch mit den Nachbarn, in diesem Falle den Spaziergängern und Erholungssuchenden die zwischen Donau und Altstadt flanieren.

Ingolstadt besitzt schon Shared Space 

Könnte die Schlosslände der erste Shared Space in Ingolstadt werden? Der erste offiziell als solcher Deklarierte vielleicht schon, doch wenn man sich Verkehrsbereiche in Ingolstadt anschaut, sind solche Begegnungsräume schon vorhanden. Ausnahmeregelungen und die Benutzung der Straße durch den Fußgänger lösen die gewohnte Trennung der einzelnen Verkehrsteilnehmer auf.



Die Theresienstraße ist auf 10 Km/h begrenzt und durch die stetige Querung von Passanten, als auch durch die gemeinsame Nutzung von Rad und PKW,gerade in den Sommermonaten wenn die Parkplätze reduziert werden, ein angenehmer Ort der Begegnung.


Der Paradeplatz ist im östlichen Teil befahrbar und durch die offene Gestaltung an dieser Stelle benutzen "schwache" Verkehrsteilnehmer diese Straße weiterhin als Fußweg.

Quelle: Google.

Die Straße Am Stein / Moritzstraße ist die Querung der Fußgängerzone aus Nord Süd Richtung. Hier besagen die Straßenschilder, dass es sich um eine Fußgängerzone handelt. Allerdings gibt es eine Ausnahmereglung für Busse und Taxis welche aus beiden Richtungen durchfahren dürfen. Der nördliche Teil der Straße ist für den normalen Verkehr geöffnet.


Gegenteilige Straßenplanung prägt unser Stadtbild. Das Konzept des Shared Space ist eine Bereicherung und eine Möglichkeit Aggressionen im Verkehr zu minimieren. Unzählige Beispiele aus u.a. Duisburg, Freiburg, Innsbruck zeigen das Potential für die positive Stadtentwicklung. Wir müssen Chancen nutzen solche Konzepte in unser Stadtbild zu integrieren.

Harderstraße 2015

Freitag, 19. Dezember 2014

Wintersonnwendfeuer 2014





Der Dezember neigt sich seinem Ende zu. Die Weihnachtszeit erreicht ihren Höhepunkt. Hektik und Trubel in den Straßen. Nicht nur dafür steht der letzte Monat in unserem Kalender. Er ist auch der Monat der kürzesten Tage. Die Sonne steht an ihrem tiefsten Punkt.

Wir nahmen dieses Ereignis zum Anlass und haben auf der Donaubühne, wie die letzten zwei Jahre auch, ein großes Wintersonnwendfeuer entzündet, um der längsten Nacht ein Licht zu geben. Wir haben mit Freunden die Gemütlichkeit fernab vom stressigen Weihnachtstreiben an der Donau genossen und ihr auch in der Kalten Jahreszeit die Beachtung gegeben die sie verdient.

Wer wollte konnte uns am Sonntag den 21.12.2014 ab 16 Uhr auf der Donaubühne Gesellschaft leisten. Die Aufbauarbeiten haben schon um 12 Uhr begonnen. Wir haben viele Paletten aufeinander gestapelt um genug Material für ein Riesen Feuer zu haben. An den Seiten des Holzstapels waren Platten angebracht, auf die jeder der wollte seine Wünsche, Hoffnungen oder das, was er loswerden wollte schreiben konnte. Die Donaubühne füllte sich und nach dem Sonnenuntergang um 16:20 wurde das Feuer um 16:30 entzündet. Die Feuerfreunde des Vollmondfeuers haben mit Ihrer Feuershow den Abend begleitet. Jeder brac
hte warme Kleidung und eigene gefüllten Thermoskannen, Gebäck und alles was den Abend verschönert mit und so herrschte ein reges Plätzchen tauschen.


Wir Bedanken uns bei allen die da waren und die Wärme des Feuers mit dieser tollen Kulisse zu einen schönen Erlebnis gemacht haben. Danke!

Bis zur Wintersonnwende 2015









Fotos von 2013 und 2012






Sonntag, 16. November 2014

Verkehr im Naherholungsgebiet

Quelle: Wikipedia

Viele Städte stehen an Flüssen und ihre Stadtteile dehnen sich an beiden Seiten des Gewässers aus. Früher oder später entsteht dann ein Problem der Verbindung der Stadtteile. Als Folge werden Brücken errichtet.

In Ingolstadt gibt es sieben Querungsmöglichkeiten über die Donau: Die Autobahnbrücke, die Schillerbrücke, die Eisenbahnbrücke, der Donausteg zum Klenzepark, die Konrad-Adenauer-Brücke, die Glacisbrücke und die Staustufe. Einige davon sind gewissen Mobilitätsformen vorbehalten. Die Autobahnbrücke ist für Benutzer der Autobahn, die Eisenbahnbrücke natürlich den Zügen, der Donausteg und die Staustufe für Passanten und das Fahrrad frei gegeben. Es bleiben noch drei Brücken übrig, die von allen Verkehrsteilnehmern genutzt werden können.


“If you plan cities for cars and traffic, you get cars and traffic. 
If you plan for people and places, you get people and places.”
- Fred Kent

Ingolstadt hat in den letzten Jahren ein hohes Aufkommen an motorisiertem Individualverkehr entwickelt. Regelmäßige Staus an der Glacisbrücke und der Westlichen Ringstraße sind die Regel. Es standen schon viele Ideen zur Diskussion, um diesem Problem entgegen zu wirken. Bei einem Vorschlag sollte eine weitere Brücke in der Nähe von Gerolfing gebaut werden, die durch den Auwald eine Schneise schlägt. Auch eine Untertunnelung wurde schon vorgeschlagen. Seit neuestem ist die Staustufe als alternativer Verkehrsweg ins Gespräch gebracht worden. Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) soll mit Hilfe dieser Staustufe in einem Ring um Ingolstadt Fahren können. Diese Route würde im besten Fall 3 Kilometer und im schlechtesten Fall 5 Kilometer durch das Naherholungsgebiet Baggersee führen. 



Quelle: http://www.bayern-aus-der-luft.de


Nach neustem Vorschlag soll nicht nur der ÖPNV hier Fahren, sondern auch der motorisierte Individualverkehr. Das soll den Stau an der Glacisbrücke verringern und einen schnelleres Vorankommen ermöglichen. Den Vorantreibern dieser Idee ist nur noch das Naherholungsgebiet Baggersee das "größte Hindernis" (Zitat Blickpunkt Ausgabe KW46/14). Ein Naherholungsgebiet als Hindernis zu bezeichnen zeigt, wie bei solchen Verkehrsideen Schwerpunkte gelegt werden. Es ist unverständlich, wie man Naturräume und Naherholungsgebiete als Problem bezeichnen kann.


Adding lanes to solve traffic congestion is like loosening your belt to solve obesity.

Lewis Mumford

Wir renaturieren Flüsse und geben diesen den Freiraum den sie brauchen zurück, weil wir aus Fehlern gelernt haben. Gleichzeitig warnen Forscher vor einer Versiegelung unserer Umwelt. Immer mehr Bodenfläche wird durch Verkehr in Beschlag genommen. Im Vergleich sind 5 % der Fläche Deutschlands für den Verkehr bestimmt, 2,4 % für Gewässer 7,2 % Siedlungen und 30,2 % sind dem Wald vorbehalten. Es muss aufgehört werden, unseren eigenen Lebensraum zu zerstören und begonnen werden, bestehende Verkehrswege zu optimieren, sowie unser Verhalten im Verkehr zu überdenken. Je mehr Straßen wir bauen, desto mehr Verkehr werden wir bekommen. 



Quelle: Wikipedia

Die Glacisbrücke wird immer als Fehlplanung bezeichnet, da diese Brücke als Auslöser für den Stau gesehen wird. Das ist aber falsch, es sind die Verkehrsmassen die eine Verstopfung hervorrufen. Es wird an dieser Stelle so lange Stau geben, wie es für viele Ingolstädter bequemer, einfacher und schneller ist sich hinters Steuer zu setzen, als den ÖPNV oder das Fahrrad zu benutzen.








http://www.fairkehr-magazin.de/4_2014_verbaut_und_zersiedelt.html

http://verkehrt.info/2009/11/28/wer-strassen-saeht-wird-verkehr-ernten/








Montag, 10. November 2014

Lustwandel an der Donau


Der Sonntagsspaziergang (Carl Spitzweg)

Von der frühgeschichtlichen Notwendigkeit des Zufußgehens, aus Mangel an Alternativen, hatten die Leute eigentlich schnell die Nase voll.Doch während die armen Schlucker auch im späten Mittelalter noch durch den städtischen Kotschlamm waten mussten, fanden die Aristokraten wieder Gefallen am Lustwandel durch barocke Schloßparks. Im Zuge der Aufklärung begann schließlich auch die breite Maße zu flanieren und zu promenieren um körperliche Bewegung, frische Luft und Sonne zu genießen sowie vor allem, um soziale Kontakte zu knüpfen.So entstanden bald öffentliche Parks und Promenaden, zuerst in Kurorten und touristisch bedeutenden Orten, später fast überall wo man sich vom Boom des Spazierengehens anstecken ließ.
Das Flanieren wurde abgelöst vom Konsumieren

Ein besonders „ansteckender“ Zeitgenosse und leidenschaftlicher Spaziergänger war übrigens Goethe („Ich ging im Walde so vor mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn“).Bekanntlich trifftsein Faust ausgerechnet beim Osterspaziergang auf den Teufel Mephisto in Gestalt eines seltsamen schwarzen Pudels.Goethes literarische Erben führen diese Tradition fort. In vielen Klassiker der Weltliteratur wird auf Teufel komm raus gelustwandelt. In den Werken von Jane Austen, Dostojewski und vor allem Laclos „Gefährlichen Liebschaften“ bilden Promenaden und einsame Schloßgärten die Kulisse für perfide Intrigen, ausschweifende Liebesschwüre und sogar Revolutionen. Inder ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dann mehr marschiert als flaniert. Spätestens seit der Nachkriegszeit eroberten jedoch die Autos den freigewordenen Platz in vielen deutschen Innenstädten und in den Köpfen der Leute.Heute fährt die Mehrheit mit dem Auto raus in die Natur um spazieren zu gehen.Das Flanieren wurde außerdem abgelöst vom Konsumieren. Kaufhäuser und Einkaufszentren wurden die neuen Parks („Westpark?“). Der Begriff Fußgängerzone zeigt den Niedergang der Promenaden und Flaniermeilen am besten. Zonen erinnern doch eher an Todesstreifen und kündigen verkehrstechnisch kritische Bereiche an, nach dem Motto: „Achtung, hier könnte ein dreister Fußgänger Ihre schöne Autofahrt stören!“ Ein Stadtpark, das ist für viele inzwischen„da wo die Türken grillen“, und ohne öffentliche Sitzbänke müsste man sich weniger über die Obdachlosen ärgern! Was ist bloß schiefgelaufen und wie lange dauert es noch bis alle Stadtbewohner am Kaspar-Hauser-Syndrom (Verhaltensstörung durch völligen Reizentzug) leiden, man kennt das z.B. von eingesperrten Tieren im Zoo, die mit starrem Blick im Kreis laufen und dabei ununterbrochen mit dem Kopf wackeln.Bei einigen genervten Autofahrern kann man das Kopfwackeln schon beobachten!

Achtung, hier könnte ein dreister Fußgänger Ihre schöne Autofahrt stören!

Es gibt Hoffnung. Dermoderne Urbanismus kennt eigene Wissenschaften wie die Promenadologie(Strollology) und propagiert die Rückkehr von Rundwegen(Loops) und Spaziergängen als Forum für Kontaktaufnahme, Umweltwahrnehmung und bewusste Entschleunigung. Einer der ältesten Gründe für einen Spaziergang im Freien wird heute wichtiger denn je.Es ist die Möglichkeit, mit jemandem ein intimes Gespräch zu führen ohne gestört oder gar belauscht zu werden.Die Lust am Lustwandel kommt zurück.

Für Ingolstadt besteht die historische Chance zur Steigerung der Aufenthaltsqualität und Wiederbelebung der vernachlässigten Innenstadt. Mit einem Naherholungsgebiet an der Donau und dem konsequente nAusbau von Fuß-/Fahrradwegen sowie durchgängigen Promenaden im städtischen Raum entsteht Attraktivität für Anwohner und Besucher. Gute Vorschläge z.B. die Verkehrsberuhigung rund um das Münster, die Neugestaltung der Harderstraße, ein Skulpturenpark an der Tränktorstraße oder die Umgestaltung der Schloßlände zur besseren Verbindung zwischen Stadt und Fluß gibt es ja inzwischen.

Der Donau-Loop ist Naherholung im Zentrum

Gerade die Donau hat das Potenzial unser Lebensumfeld in Ingolstadt positiv zu verändern und der Stadt mehr Identität zu verleihen. 2011 wurde aus vielen Einzelideen und Wünschen zur Belebung des Donauraumes das Konzept des Stadtparks Donau geboren. Beauftragt durch die Stadt Ingolstadt, entwickelt von OFICINAA und unterstützt durch die Freunde der Donau. Dabei handelt es sich um die Verbindung aller bestehenden Parks und Uferauen an der Donau, mit dem Ziel ein Naherholungsgebiet im Zentrum der Stadt zu schaffen (Beispiel Englischer Garten München).Der Donau-Loop ist ein erster Baustein hierfür und beinhaltet ein System zusammenhängender Rund- und Spazierwege entlang der Donau. Zentral gelegen und für nahezu alle Ingolstädter zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar, verbindet der Donau-Loop die angrenzenden Stadtviertel. Die einheitliche Farbgebung und Gestaltung des Weges sollen für Wiedererkennung sorgen. Neben dem unschätzbaren Wert für die Ingolstädter soll der Donau-Loop auch die ca. 50.000 Donauradwanderer, die jährlich durch unsere Stadt radeln, für Ingolstadt begeistern und für einen Besuch der Altstadt gewinnen.

Die Gestaltungsideen konnten die Ingolstädter bereits im Rahmen einer Ausstellung im Museum für konkrete Kunst (MKK) besichtigen. Die Detailplanung und Entscheidung durch den Stadtrat stehen für 2015 an.

Wir freuen uns jedenfalls auf die Wiederentdeckung des Spazierengehens. Egal ob nach alter Sitte, in tadelloser Sonntagskleidung mit möglichst vollzähliger Familie, oder einfach um uns frei nach Goethe unsere schwarzen Pudel auszuführen.


Donau-Loop Ausstellung (A. Häusler OFICINAA)
 Donau-Loop Ausstellung (A. Häusler OFICINAA)
Donau-Loop Ausstellung (A. Häusler OFICINAA)
Donau-Loop Ausstellung (A. Häusler OFICINAA)